Adenosin ist ein körpereigener Wirkstoff, der in jeder lebenden Zelle vorkommt und Teil des Energiestoffwechsels (ATP) ist. In der Kosmetik wird er in der Regel biotechnologisch aus Hefe gewonnen und liegt als weißes, kristallines Pulver vor. Seit den frühen 2000er-Jahren findet er Einsatz in Hautpflegeprodukten und ist heute vor allem in der koreanischen Kosmetik (K-Beauty) ein etablierter Standardwirkstoff.
Adenosin wirkt über spezifische Rezeptoren (sog. Adenosin-Rezeptoren), die in verschiedenen Hautschichten verteilt sind und unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
Dermis (mittlere Hautschicht): Über den A2A-Rezeptor regt Adenosin Fibroblasten zur Produktion von Kollagen (Typ I und III) an. Kollagen ist das wichtigste Strukturprotein der Haut und für Elastizität und Festigkeit verantwortlich. Der Kollagengehalt der Haut sinkt natürlicherweise um ca. 1% pro Jahr – Adenosin wirkt diesem Prozess aktiv entgegen.
Hypodermis (tiefste Hautschicht/Unterhautfettgewebe): Über den A1-Rezeptor hemmt Adenosin den altersbedingten Fettabbau (Lipolyse) und fördert die Neubildung von Fettzellen (Adipogenese). Da Gesichtsfett mit zunehmendem Alter abbaut und absinkt, trägt dieser Mechanismus zur Hautstraffung und zum „Volumen" bei.
Zellregeneration: Als Purin-Nukleosid wird Adenosin von der DNA-Polymerase zur Bildung neuer DNA genutzt, was die Proteinsynthese in Hautzellen ankurbelt und die Zellerneuerung beschleunigt.
In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 126 Frauen (45–65 Jahre) zeigte sich bereits nach 3 Wochen eine messbare Verringerung von Krähenfüßen und Zornesfalten bei zweimaliger täglicher Anwendung. Eine weitere Studie kombinierte Adenosin mit Niacinamid und stellte eine deutliche Verringerung von Tiefe und Breite sichtbarer Falten nach 28 Tagen fest. Zusätzlich verbessert Adenosin die Hautfeuchtigkeit und Hautdichte.
Adenosin hemmt Neutrophile (weiße Blutkörperchen, die bei Verletzungen aktiviert werden) und wirkt so entzündungshemmend. Außerdem beschleunigt es die Wundheilung, indem es die Produktion von Bindegewebsfaktoren (CTGF) und die Kollagenbildung anregt.
Das Expert Panel for Cosmetic Ingredient Safety bestätigte 2024 die Unbedenklichkeit von Adenosin in Leave-on-Produkten bei Konzentrationen zwischen 0,04% und 1%. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich. Adenosin wird häufig in Kombination mit Peptiden, Vitamin C, Niacinamid oder Hyaluronsäure eingesetzt, da Synergieeffekte beobachtet wurden.
Quellen
- Marucci G. et al. (2022): The possible role of the nucleoside adenosine in countering skin aging: A review. BioFactors, 48(5):1027–1035. [PMC9804842]
- Cosmetic Ingredient Review Expert Panel (2024): Safety Assessment of Adenosine as Used in Cosmetics. PubMed ID: 38146080
- OnSkin: Why Use Adenosine in Skincare: Key Science-Based Benefits