Homosalate ist ein Salicylsäureester, dass als Sonnenschutzmittel verwendet und in Konzentrationen bis zu 10% eingesetzt wird. Er absorbiert UV-Strahlung durch Anregung des aromatischen π-Elektronensystems und schützt so die Haut vor UVB-bedingten Schäden wie Sonnenbrand und DNA-Photoproduktbildung.
Homosalate wird seit Jahren intensiv auf potenzielle endokrine Störwirkungen untersucht. In zahlreichen In-vitro-Studien wurden Bindungsaffinitäten zum Östrogenrezeptor (ERα, ERβ) sowie antiandroge Aktivität am Androgenrezeptor nachgewiesen. Das SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety der EU-Kommission) gelangte 2021 zur Einschätzung, dass bei einer Konzentration von maximal 0,5% keine Sicherheitsbedenken bestehen; bei den in der EU erlaubten 10% sei die Sicherheitsmarge jedoch unzureichend – insbesondere da Homosalate die Haut merklich penetriert (ca. 25% im Gesicht) und systemisch bioverfügbar wird. Daraufhin empfahl das SCCS, die Maximalkonzentration von 10% auf 0,5% zu reduzieren. Diese Empfehlung hat die EU-Kommission bisher noch nicht in eine verbindliche Regulierungsänderung überführt, was den Inhaltsstoff in einem regulatorischen Schwebezustand hält. In-vivo-Tierstudien haben trotz In-vitro-Signalen keine eindeutigen endokrinen Effekte nachgewiesen; das SCCS sieht die Beweislage daher aktuell als unzureichend für eine formelle Klassifizierung als endokriner Disruptor an, erkennt jedoch die Signalwirkung der verfügbaren Daten an. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass Homosalate zu toxischen Abbauprodukten zerfallen kann, wenn es UV-Licht ausgesetzt wird, was seine Photostabilität in Frage stellt.