Caprylhydroxamsäure. In der Kosmetik wird sie offiziell als Chelatbildner klassifiziert, übernimmt in der Praxis aber primär eine konservierende Funktion als sogenanntes multifunktionales Konservierungsmittel. Der Wirkstoff ist ein Paradebeispiel für den aktuellen Trend der "Clean Beauty"-Industrie, klassische Konservierungsmittel wie Parabene, Methylisothiazolinon (MIT) oder Formaldehyd-Abspaltsubstanzen durch mildere, als naturnäher empfundene Alternativen zu ersetzen.
CHA wirkt über mehrere Mechanismen gleichzeitig. Erstens entzieht es Mikroorganismen durch Chelatbildung essentielle Metallionen – insbesondere Eisen und Kupfer – die als Cofaktoren für mikrobielle Enzyme unverzichtbar sind. Zweitens integriert sich die lipophile C8-Alkylkette in die bakterielle Zellmembran und stört deren Integrität und Permeabilitätseigenschaften. Das antimikrobielle Spektrum ist breit: In MIC-Tests zeigte CHA Wirksamkeit gegen grampositive Bakterien (Staphylococcus aureus, Bacillus subtilis), gramnegative Bakterien, Hefen (Saccharomyces sake, Candida albicans bei 320 µg/ml) und Schimmelpilze (Aspergillus oryzae, Aspergillus brasiliensis). In einem realen Handwaschprodukt eliminierte 0,5 Gew.-% CHA Aspergillus brasiliensis innerhalb von zwei Wochen vollständig.
CHA kann nicht als alleiniges Konservierungsmittel verwendet werden, weshalb es häufig mit Caprylyl Glycol, Glyceryl Caprylate, Ethylhexylglycerin oder organischen Säuren zusammen formuliert wird.
Quellen
- Deciphering trends in replacing preservatives in cosmetics intended for infants and sensitive population
- Safety Assessment of Caprylhydroxamic Acid as Used in Cosmetics, DOI: 10.1177/10915818251343874
- Antimicrobial, Preservative, and Hazard Assessments from Eight Chemical Classes,PMCID: PMC11044204 PMID: 38680319